Toskana und San Felice di Circeo


Eine Reise voller Erlebnisse...

Reiseteilnehmer: Herr Peter Heilmann

Herr Peter Heilmann hat mir über seine Eindrücke einen eindrucksvollen Reisebericht übermittelt. Herzlichen Dank dafür! Herr Heilmann ist 1984 an Multipler Sklerose erkrankt und sitzt seit 1992 im Rollstuhl.

Reisebericht von Herrn Peter Heilmann, erhalten im Juni 2008:
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Ursprünglich wollte ich bereits 2007 noch einmal, wie bereits 2004, nach Italien, diesmal an den Gardasee und anschließend nach San Felice di Circeo.

Dies wurde mir jedoch gleich zu Beginn des Jahres 2007, zuerst durch die Krankheit meines ursprünglichen Reisebegleiters, erschwert und dann endgültig durch die Absage eines anderen Reisebegleiters unmöglich gemacht.
So musste ich die bereits gebuchte Unterkunft am Gardasee und in San Felice wieder stornieren. Die Versicherungsgesellschaft, bei der ich eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hatte, lehnte es natürlich ab, die mir entstehenden Kosten zu begleichen, da ich aus einem nicht versicherten Grund von der Reise zurückgetreten war.

20.4.2008 Fahrt nach Siena und Panne hinter Basel

Nun sollte es 2008 probiert werden.
Über das Internet hatte ich bereits Anfang 2007 auch noch den Reisebegleitservice von Falko Erfurt aus Nordhausen (Thüringen) angeschrieben, damals aber wegen seiner längeren Anreisestrecke abgesagt, einem näheren Reisebegleiter zugesagt und dann, siehe oben, leider ganz auf den Urlaub verzichten müssen. Das ursprüngliche Ziel Gardasee hatte ich dann aber, nach Rücksprache mit dem neuen Reisebegleiter, der sich zuerst ein Bild bei mir Vorort über Pflegeumfang und Reiseabsicht gemacht hatte, einvernehmlich abgeändert.

So sollte er es im Jahr 2008 zuerst in die Toskana mit Siena, Pisa und Florenz und dann nach San Felice di Circeo gehen.
Falko Erfurt kam also am 19.4.2008 gegen Abend in Ludwigshafen an. Am 20.4.2008 ließ ich mich von meinem Pflegedienst reisefertig machen und dann ging es gegen 10 Uhr mit meinem Fahrzeug los in Richtung Schweiz. Relativ schnell waren wir dann um circa 13 Uhr in Basel an einer Raststätte und machten eine kurze Pause.

Dann, der erste Schreck.
Vergeblich versuchte mein Fahrer das Auto zu starten. Glücklicherweise bin ich seit 1975 ADAC Mitglied, vom Notdienst in München wurde ich weiter vermittelt an den Notdienst in der Schweiz. Nach weniger als einer Stunde kam dann der Hilfsdienst, prüfte die Batterie und stellte fest, dass wohl die Lichtmaschine die Batterie nicht mehr vollständig laden könne, wenn Abblendlicht und Kühltasche gleichzeitig eingeschaltet sind. Es wäre wohl irgendwo auf den Weg zwischen Lichtmaschine und Batterie ein Kabel defekt, oder die Batterie wäre zu alt.

Fazit: Licht musste am Tag auch in Italien wohl ausbleiben. (Werkstattaufenthalt notwendig, wurde auf Zeitpunkt nach der Rückkehr verschoben. Es war also Vorsicht mit Licht und anderen Verbrauchern angesagt, den Motor musste ich eben zukünftig immer noch ein paar Minuten laufen lassen, nachdem alle Verbraucher ausgeschaltet waren).
So erreichten wir gegen Abend unsere Unterkunft in einem tollen Hotel in Siena

Siena

Hotel in Siena

(mit Klick vergrößern)

Unser Zimmer hatte, wie vorbestellt, zwei Betten, von denen eines mit meinen Personenlifter unterfahrbar war. Auch die Toilette war direkt mit meinem Personenlifter anzufahren und deswegen brauchte ich meinen Toilettenstuhl während der fünf Tagen des Aufenthalts in diesem Hotel nicht .

Bedingt durch die Verspätung in Basel waren wir leider zu spät angekommen, um direkt eines der vorhandenen Rollstuhlzimmer mit Duschplatz zu bekommen. Das große uns zugeteilte Zimmer war mit einem Doppelbett und einem ausklappbaren und unterfahrbaren Einzelbett ausgerüstet.

Die Übernachtung im Hotel war für meinen Fahrer und mich eine Wohltat nach fast 1000 km Anreise. Am nächsten Morgen wurde ein umfangreiches Frühstücksbuffet geboten. Entspannt gingen wir auf eine Besichtigungstour, schauten dem regen Treiben in den verwinkelten Gassen zu und sahen viele eindrucksvollen Gebäude aus der Medici Zeit.


Die berühmte muschelförmige Piazza del Campo verbindet die drei Stadtteile und bildet das Herz von Siena. Würdevolle, gotische Palazzi der reichsten und einflussreichsten Familien formen die herrliche Kulisse des weiten, wunderschönen Platzes. Die Zugänge zu diesem Platz sind größtenteils nur über Treppen möglich. Geht man aber ein bisschen an den stattlichen Gebäuden entlang, findet man auch den Zugang für die Versorgungsfahrzeuge und dann natürlich auch für Rollstühle.

Diesen Platz, auf dem jedes Jahr der Palio (traditionelles Pferderennen) stattfindet, säumen zahllose Cafes und Restaurants. Nach atemberaubenden Ritt und vielen spektakulären Stürzen, die nur leidlich durch den aufgeschütteten Sand gedämpft werden, endet dieser Wettbewerb jedes Jahr mit umfangreichen, bestimmt nicht nur kulinarischen Festlichkeiten. Beliebter Treffpunkt der Einheimischen wie Touristen ist der Brunnen Fonte Gaia, der Il Campo ziert.

Pisa

Leider war der Himmel am nächsten Tag wieder sehr bewölkt, glücklicherweise regnete es nicht. Durch die schöne Toskana fuhren wir bis mittags direkt nach Pisa zum "sightseeing". Anmerkung des Begleiters: „der Kirchturm in Bad Frankenhausen, nahe meiner Heimatstadt Nordhausen, steht heute 5,371 m aus dem Lot und es kommen nicht so viele Touristen aus aller Welt“ (o. K. keine Beurteilung möglich).


Die Rückfahrt brachte eine positive Überraschung.
Über teilweise sehr enge und verwinkelte Straßen (Navigationssystem: Eingabe kürzeste Route), teilweise auch mit eingeklappten (!!!) Außenspiegeln, erreichten wir ein kleines Dorf namens Vico d'Elsa. Unerwartet fanden wir an der Wand einer Gaststätte

Florenz

Ponte Vecchio in Florenz

(mit Klick vergrößern)

Auch am nächsten Tag war der Himmel bewölkt und trotzdem machten wir uns auf nach Florenz.Der Fluss Arno hatte an diesem grauen Tag eine hellbraune Farbe, diese wurde noch durch die Farbe der Häuser am Fluss unterstrichen. Zuhause in Ludwigshafen hatte meine Haushaltshilfe (scherzhaft) von sich gegeben: "Du könntest mir eine Kleinigkeit aus Florenz mitbringen".

Ich weiß nicht hundertprozentig, ob Sie mit dieser Kleinigkeit wohl die Dinge gemeint hat, die es auf der Ponte Vecchio bei den dort ansässigen Juwelieren käuflich zu erwerben gibt? Man kann dort auf jeden Fall sein Urlaubsgeld lassen, ohne sich anzustrengen.



Der Palazzo Pitti war seit dem 16. Jahrhundert Residenz der Herzöge von Toskana, später die Florentiner Residenz des Königs von Italien. König Vittorio Emanuele III. trat ihn 1919 an den italienischen Staat ab - seitdem sind der Palazzo Pitti und seine Gemäldesammlungen öffentlich zugänglich, darunter die Galleria Palatina der Medici mit Werken von Tizian, Giorgione, Raffael und Rubens und die Galleria dell Arte Moderna mit Bildern des Klassizismus und des Novecento.

Auf dem Rückweg von Florenz nach Siena ließen wir das Navigationssystem voller Neugier wiederum die kürzeste Route suchen. Über viele kleine Dörfer, enge und steile Straßen, ging es dann durch die schöne Toskana. Die Straße wurde immer enger, das Gras zwischen den zwei Spuren wurde immer höher und mein Begleiter erwartete ängstlich die dann tatsächlich an der engsten Stelle der Straße kommende Aufforderung meines Navigationssystems: "wenn möglich bitte wenden".

Circa zehnmal vor und zurück mit diesem circa 5 m langen Auto an einer Einbuchtung am Wegesrand zeigte mir die Fahrkünste meines Reisebegleiters und strapazierten nicht nur meinen Magen und Nerven bis zum äußersten.

Erleichtert folgten wir dann schließlich einem Schild, auf dem Messer und Gabel abgebildet waren, um irgendwo einzukehren und den Magen und die Nerven zu beruhigen.

Das Schild führte uns auf ein, zwar von außen sehr einfach erscheinendes, Weingut, das sich aber mit seiner Einrichtung und seiner Speisekarte als bemerkenswerter Punkt dieses Urlaubs herausstellte, in dem wir dann den Rest des Abends verbrachten).

Die Reise geht weiter...

Die nächsten Tage erzähle ich kurz mit einigen Anmerkungen und vielleicht weiteren Tipps.

4.4.2008 San Gimingnano (nordwestlich von Siena).
Die Geschlechtertürme haben dem Ort den Beinamen "Manhattan des Mittelalters" beschert. Mit den Höhen der Türme versuchten die Familien sich gegenseitig zu übertrumpfen, um ihre Macht zu demonstrieren. Von den ursprünglich insgesamt einmal 72 Türmen existieren heute nur noch 15. Verwinkelte Gassen umgeben den Piazza della Cisterna (mit kleinem schönen Brunnen) und machen den historischen Stadtkern zum Weltkulturerbe.


25.4.2008:
Fahrt nach San Felice di Circeo
Es hatte sich im Vergleich zu 2004 (siehe dortigen Reisebericht ) nicht viel verändert. Salvatore Avagliano ist inzwischen 75 Jahre alt geworden, aber noch voll rüstig.
Da ich dieses Jahr nicht mit dem Flugzeug nach Rom geflogen bin und mich in Rom nicht von Bruno (siehe Bericht 2004) abholen ließ, hatten wir natürlich den Vorteil, dass wir ganz nach unseren eigenen Vorstellungen die Umgebung von San Felice erkunden konnten. Im Ferienzentrum stehen inzwischen insgesamt vier Kleinbusse zur Verfügung, mit denen man, vorausgesetzt genug Leute wollen und genug Fahrer sind vorhanden, ebenfalls die nachfolgenden Orte besuchen kann.

Einen über den anderen Tag waren wir am Strand oder unterwegs mit meinem Fahrzeug:
27.4.2008: Gaeta, zurück Sperlonga, beides sehr schöne Städte mit Fischerei- und Yacht Hafen.
28.4.2008: Monate Circeo und zurück über ein Terrassencafé in Strandnähe.
29.4.2008: Solfatera Pozuoli ( nach Schwefeldampf stinkender erloschener Vulkan)

Der Boden war gut zwischen 40 und 60 Grad warm und aus den Schwefelquellen brodelten und dampften sehr beeindruckend gelbliche Gase. In zwei gemauerten Unterständen wirkt die angenehme Wärme nicht nur positiv auf rheumatische Erkrankungen.


Die Rückfahrt führte in eine Stadt, die zwar das gleiche Schicksal ereilte wie Pompeji 79 n. Chr., aber den meisten Leuten namentlich nicht bekannt ist, aber im Gegensatz zu Pompeji auch mit dem Rollstuhl besichtigt werden kann, wenn sich die Begleitperson dies zutraut, da der Rollstuhl über manch kleinere Stufen gedrückt werden muss.

01.05.2008: Markttag in Sabaudia, Küstenstraße und Hafen von San Felice di Circeo mit pompösen Luxusjachten. Parkplatz vorm Hafen mit großen teuren Autos.
03.05.2008 : Am ersten Samstag und dritten Sonntag im Monat hat der Garten von Ninfa geöffnet.
In diesem Park sollte man aber entweder noch Fußgänger sein, oder per Rolli sehr mobil sein, oder wie ich einen Begleiter haben, der sich auch schwierige Wege vornimmt, ohne zu verzweifeln.


05.05.2008:
Geführte Tour durch Rom (intensiver als auf eigene Faust (siehe Reisebericht von 2004 ). In diesem Jahr konnten wir auch einmal das Colloseum von innen oben besuchen (Bilder 557,565). Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleitperson kostete nichts. Der gläserne Aufzug wurde zwar von einer Menge asiatischer Touristen umlagert, die dann aber freundlich und gleich der Bitte des Fahrstuhlführers nachkamen, und uns den Vortritt gewährten (Rollstuhlbonus).

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07.05 08:
Abtei Forsa Nova (Bild oben), Grotte di Pasteno wollten wir besuchen, aber für Rollstuhlfahrer leider nicht geeignet, Rückfahrt über Terracina.

09.05.2008: Rückfahrt nach Vataro und Übernachtung im Hotel Dolomiti (sehr zu empfehlen)
Hoteldaten:
Hotelname: Hotel Dolomiti
Straße: Via Vicenza 15
PLZ/Ort: 38040 Vattaro (Italien)
Tel: +39/0461/848540; Fax: +39/0461/847496

In diesem Hotel wurde meine Bitte um zwei getrennten Betten, von denen eines für meinen Personenlifter unterfahrbar sein sollte, erfüllt, indem man auf meine Anweisungen per E-Mail vorab unter jeder Bettecke einen rechteckigen Klotz circa 20 x 20 x 30 cm legte.

Das uns zugewiesene Zimmer war zwar relativ klein und mein Begleiter schaffte es, mich auch ohne Personenlifter zu Bett bringen, aber ich bin der Meinung, dass dieses auch mit Personenlifter möglich gewesen wäre (Platz zwischen Bett und Tür circa 1,40 m. In der Toilette ist ein Duschplatz auch mit Duschsitz, der durch eine Verglasung vom Rest der Toilette abgetrennt ist. Die Fahrt zum Hotel führt über kleine Straßen und Serpentinen, die mein Motorradfahrerherz schneller schlagen ließen. Das Abendessen war lecker, das Frühstück umfangreich, die Preise überraschend touristenfreundlich.

Am 10.05.2008 fuhren wir dann zurück nach Ludwigshafen und der Urlaub war nach 4318 km mit vielen positiven Erlebnissen und circa 600 digitalen Bildern und Kurzfilmen, aufgenommen durch den Reisebegleiter, dann leider doch zu Ende.

Peter Heilmann