Autostadt-Wolfsburg


Im September 2005 hat der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. seine Jahresversammlung in der Autostadt-Wolfsburg verbracht und neben einer Menge Spaß auch viel positives erlebt, was sonst bei Ausflügen nicht immer gegeben ist.

Die Pressestelle der Autostadt (Text) und Herr Marcus Hülsen vom Bundesverband (Bilder) haben mir den folgenden Reisebericht übermittelt. Herzlichen Dank dafür!

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Ausflug in die Zukunft der Mobilität

„Behindert ist man nicht, behindert wird man“
Das Aufsehen ist groß, als die etwa 50 Personen große Gruppe sich zu einem Foto unter der gewaltigen Globusskulptur „Exosphere“ auf der Piazza der Autostadt versammelt. Dabei ist das nichts ungewöhnliches, besuchen doch täglich unzählige Gruppen und Vereine den automobilen Themenpark des Volkswagen Konzerns. Doch diese 53 Frauen und Männer ziehen die Blicke auf sich, weil es sich bei ihnen um köper- und mehrfachbehinderte Menschen handelt. Als liebenswerte Helden im Kino sind sie uns sympathisch, aber im Alltag stoßen behinderte Menschen – nicht nur in den Köpfen – immer wieder auf Barrieren.


„Ich entwerfe Freizeit- und Ferienangebote für behinderte Menschen“, sagt Marcus Hülsen, Referent des Bundesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte. Der zierliche Mann ist selbst mehrfachbehindert und sitzt im Rollstuhl. Der Diplom-Psychologe möchte sich in der Autostadt über die neuesten Entwicklungen zum Thema Mobilität informieren. Der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte ist ein aus örtlichen Initiativen bestehender Selbsthilfe- und Fachverband, in dem sich rund 25.000 Menschen zusammengeschlossen haben. In 200 Orts- und Kreisvereinen leisten Eltern, ehrenamtliche Helfer und Fachkräfte Arbeit für die behinderten Menschen und organisieren Programme für Freizeit und Weiterbildung.

zu wenig behindertengerechte Angebote...

In Deutschland leben fast sieben Millionen Menschen mit Schwerbehinderungen, deren Behinderungsgrad 50 Prozent und mehr beträgt. Hinzu kommen etwa 1,4 Millionen mit geringeren Beeinträchtigungen. Behinderte Menschen wollen vor allem als Inhaber von Rechten, Qualitäten und Fähigkeiten sowie als unabhängige Bürger und Verbraucher akzeptiert werden. Trotz der Vorgaben durch den Gesetzgeber können sich viele behinderte Menschen nicht so frei bewegen wie sie es gerne täten.

Mobil sein, Ausflüge oder Reisen unternehmen gestaltet sich oft schwierig, neben den Verkehrsmitteln sind es vor allem die Unterkünfte. Es gibt zu wenig behindertengerechte Angebote im Bereich von Jugendherbergen, Pensionen und Hostels.

Doch „niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden", so lautet der Verfassungsauftrag, der 1994 eingeführt wurde. Seit Mai 2002 gibt es außerdem ein Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen. Damit sollen Diskriminierungen beseitigt, barrierefreie Lebensräume geschaffen und behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

"wir müssen nach draußen", so die Devise

„Die Leute parken nicht nur gedankenlos die Behindertenparkplätze zu“, weiß Marko Georgi aus eigener Erfahrung. Der Student ist mit einer Gruppe der Spastikerhilfe Berlin nach Wolfsburg gekommen. Dem hochgewachsenen, kräftigen 28-Jährigen liegt viel daran, dass die 150 Vereinsmitglieder an Freizeitangeboten partizipieren. „Es bringt nichts, immer nur im Heim zu sitzen, wir müssen nach draußen“, lautet die Divise der Spastikerhilfe Berlin. Damit verfolgen sie ein Konzept, das eine integrative Freizeitgestaltung wie Kinobesuche, Sport, Volkshochschulkurse und Weiterbildung vorsieht. Marko Georgi freut sich über die Kooperationsbereitschaft und das Interesse, das die Autostadtmitarbeiter im Vorfeld des Besuchs und während der Fahrt von der Jugendherberge in die Autostadt gezeigt haben. „Das ist leider nicht immer der Fall. Es gab schon Kinos und Gaststätten, die uns hinauskomplimentiert haben. Behindert ist man nicht, behindert wird man“, sagt Marko Georgi.

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Bereits Punkt eins des Besuches in der Autostadt, eine umfassende Führung, zu der die Besuchergruppe in drei Gruppen aufgeteilt wurde, begeisterte die Gäste. In den riesigen Fahrstuhl der KonzernWelt, der alle seine Besucher in die Zukunft der Mobilität befördert, passten alle gleichzeitig, zeitraubendes Warten war an diesem Tag nicht nötig. „Wenn wir sonst mit sechs oder zehn Leuten unterwegs sind, dauert es oft schon eine Viertelstunde oder länger, bis alle mit dem Fahrstuhl nach oben gebracht worden sind“, weiß Ingrid Magoß. Die Schülerin unterstützt in ihrer Freizeit die Arbeit des Celler Vereins zur Förderung Körperbehinderter.

Nachdem sich die Besucher im AutoLab über die neuesten Entwicklungen der Automobiltechnik, des Designs und der Sicherheit informiert hatten, geht es in den Park. Nirgends stören Schwellen, zu schmale Türen oder enge Gänge. „Ich habe selten einen so hindernisfreien Ausflug unternommen“, sagt Marcus Hülsen augenzwinkernd.

Neue Eindrücke...

Die vielen neuen Eindrücke besprach die Gruppe beim gemeinsamen Mittagessen im StadtCafé. Nach dem Mittag ging die Entdeckungsreise weiter: Im weitläufigen Park konnten sich die vorwiegend jungen Leute einfach treiben lassen. Vorbei an der Lagune, durch den Dufttunnel durch rüber zu den verschiedenen Pavillons. Wer mochte, machte eine Pause im Gras oder direkt am Wasser in einem Strandkorb auf der Terrasse der StrandBar.

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Präsentation gefällt...

Am späten Nachmittag strahlt die Mutter von Anette Winkler als sie sagt:„Meiner Tochter und mich beeindrucken die Ideen, wie die Dinge ausgestellt und gezeigt werden. Die gesamte Präsentation gefällt uns. Und mir gefällt die Atmosphäre“. Tochter Anette zählt zu den Schwerbehinderten, nur durch Stützhilfen kann sie sich im Rollstuhl aufrecht halten. Die 39-Jährige ist auf die permanente Hilfe ihrer Mutter und ihres Betreuers angewiesen. Doch die zahlreichen Treppen, über die man zum Anleger des Autostadtschiffes „MS Osterbek“ gelangt, sind bei diesem Ausflug kein Problem, da es wenige Meter daneben einen Aufzug gibt. „Das ist längst nicht überall der Fall“, weiß Heidemarie Winkler. Auch aufgrund solcher Erfahrungen hat ihr der Tag in der Autostadt so gut gefallen: „Wo eine Treppe ist, ist nicht sofort der Schrecken da, weil es hier überall Fahrstühle, Rampen und Hilfsbereitschaft gibt“.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Pressestelle Autostadt
Telefon: 05361 - 40 –1444
Telefax: 05361 – 40 - 1419
E-Mail: Pressestelle@autostadt.de www.autostadt.de

oder:

Marcus Hülsen
Bundesverband für Körper und Mehrfachbehinderte e.V.
Brehmstrasse 5-7
40239 Düsseldorf

Tel.: 0211/64004-17
Fax: 0211/64004-20
E-Mail: marcus.huelsen@bvkm.de
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