Reiseteilnehmer: meine Frau Inge
unser Hund, ein Bordercollie
und ich(53 Jahre alt, Querschnitt kompl. ab TH 11 seit 29 Jahren und Oberschenkelamputation rechts seit 1984)
Familie Gebhardt mit Sohn Alexander
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Nach gut sieben Stunden Fahrzeit inklusive Pausen hatten wir die ca. 650 km von unserem Heimatort Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz nach Born am 12. August zurückgelegt. Da wir ab Rostock starken Verkehr hatten und es auch noch ziemlich stark regnete waren wir doch etwas gestresst.

Dank der guten Wegbeschreibung fanden wir unser Urlaubsdomizil im weitläufigen Fischerdorf Born schnell und der Stress war sofort verflogen. Vorneweg: Die Ferienwohnungen von Familie Schuhmann liegen traumhaft! Absolut ruhig am Ende eines Weges. Das große Grundstück grenzt auf der einen Seite an eine große beweidete Wiese und auf der anderen Seite mit seinem Bootssteg direkt an den Bodstedter Bodden.

Wir wurden bereits von Familie Lindig, dem Hausmeister-Ehepaar, dass sich stets hilfsbereit und sehr auskunftsfreudig zeigte, und uns immer mit Tipps und Ratschlägen zur Seite stand, erwartet und in unsere Wohnungen geführt. Die Anlage besteht aus drei Reihenhäuser mit jeweils zwei Ferienwohnungen. Dabei sind die beiden ersten Ferienwohnungen, eine für zwei und eine für vier Personen, rollstuhlgerecht ausgebaut.

Meine Frau und ich bewohnten die erste Wohnung, die aus einem Wohnraum mit Küchenzeile, Schlafzimmer, Bad, einem kleinen Flur und einer schönen Terrasse bestand. Viele Ausstattungsmerkmale sind bereits auf der Hausseite erfasst. Alle meine Beschreibungen sind natürlich subjektiv und vielleicht nicht auf jede Behinderungsart übertragbar aber eines vorneweg: In allen Bereichen der Wohnung kam ich sehr gut zurecht und es war für meine Frau und mich ein sehr sehr schöner und erholsamer Urlaub, den wir und auch unser Border sehr gerne verlängert hätten.
 

vom Parkplatz ebenerdig direkt in die Wohnung absolut ruhige LageDie Bilder zeigen den stufenlosen Zugang zu den Ferienwohnungen (direkt am Parkplatz gelegen) und eine Luftaufnahme (fotografiert von meiner Frau, die mit Herrn Schuhmann, er ist ein erfahrener Pilot, einen Rundflug über den Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft" machte). Die beiden rollstuhlgerechten Wohnungen liegen im ersten Haus links. Der "Mühlenberg", so heißt der Zufahrtsweg, ist ein schmaler, sandiger Weg, 
der sicherlich an manchen Stellen mit dem Rollstuhl nicht ganz so gut befahrbar ist, aber unbedingt so bleiben sollte. Viele Wege im Ort sind noch so erhalten, aber dies gehört nach meiner Meinung zum Charakter des bezaubernden Ortes mit seiner grünen Landschaft und den vielen reetgedeckten Häusern mit wunderschönen Haustüren.
Der Pflasterweg führt vorbei an den Häusern zu einer großen Spiel- und Rasenfläche auf der Herr Lindig auch einen Räucherofen platziert hat und auf Wunsch gerne frischgefangene Fische räuchert (ein Gedicht!).
 
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geschmackvoller Wohnraum Die geschmackvoll eingerichtete Wohnung ist in allen Bereichen großzügig bemessen und mit dem Rollstuhl hat man in den Räumen eigentlich an keiner Stelle Mühe zu wenden. Die Küchenzeile ist unterfahrbar gestaltet. Der etwas kleine Tisch besitzt einen Mittelfuß. So muss man seitlich einschwenken und steht nicht ganz im 90 Grad Winkel zum Tisch. 
Eine Seite des Doppelbettes ist gut anfahrbar und ist mit Unterschüben ausgestattet (können entfernt werden und damit ist das Bett unterfahrbar). Eine gute Lösung ist das Eckregal, dessen offene Bauweise Rollstuhlfahrern 
entgegenkommt. Einige Maße, die für Wohnung I gelten: Eingangstür ebenerdig, 103 cm breit; Türbreiten innerhalb der Wohnung 84 cm; Flurbreite 120 cm; Betthöhe 53 cm; Freiraum links vom Bett 160 cm.
Im großen Bad, dessen Tür nach außen öffnet, ist alles vorhanden. Die WC-Höhe beträgt ca. 52 cm und war mir persönlich etwas zu hoch. Den Rollstuhl davor und das Bein auf die Fußstütze und schon war alles in Ordnung. großes BadDer Duschsitz ist klappbar und 50 cm hoch. Auch das Waschbecken war mir mit 87 cm Höhe und seiner Tiefe gewöhnungsbedürftig. Ein längerer, eventuell schwenkbarer Wasserhahn wäre hier hilfreich. Die Haltegriffe sind natürlich hochklappbar und der Spiegel (mit zusätzlicher Lampe) in Sitzposition einsehbar. Ein Manko ist der Bodenablauf in der Dusche. Da die Duschfläche kaum eine Neigung zum Ablauf hin besitzt, verteilt sich doch etwas Wasser im Bad. Dies erhöht die Rutschgefahr für die Begleitperson und verursacht zusätzliche Reinigungsarbeit.

Vom Wohnraum führt eine 102 cm breite Tür (außen eine kleine Holzrampe) zur Terrasse. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf die, dem Saalener Bodden vorgelagerte, große Wiese. Im Mittelteil der Gesamtanlage befindet sich ein Wasch- und Trockenraum mit Waschmaschine und Trockner, die gegen Gebühr benutzbar sind. Auch ein Bügelbrett ist dort vorhanden. 

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Zwischen Wasser, Wald und weiten Wiesen liegt Born auf der Boddenseite der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, direkt an der Grenze des Nationalparks. Hier atmet man die Seeluft, sauerstoffreiche Waldluft oder genießt im Boddenbereich das durch den vorgelagerten Wald gemilderte Reizklima. 

Am meisten Spaß machte uns hier das Radfahren. Am Bodden entlang, z.B. von Born über Ahrenshoop, Althagen nach Wustrow und weiter führt ein herrlicher, leicht befahrbarer Radweg mit einer tollen Aussicht. Auch in die Gegenrichtung nach Prewrow und Zingst führt eine schöne Tour. Auf Nebenwegen und -straßen findet man aber des öfteren Kopfsteinpflaster und/oder Betonplattenwege, die kräftig durchschütteln.

Leuchtturm Darsser OrtVon einer Fahrradtour will ich kurz erzählen. Sie führte von der Unterkunft, vorbei am Campingplatz und der Jugendherberge direkt in den Darßer Wald zum Leuchtturm am "Darßer Ort". Eine "wildromantische" Strecke, die ich aber nur erfahrenen Bikern, und auch nur, wenn es einige Tage nicht geregnet hat, empfehlen möchte. Meine Begleiterinnen und ich zahlten hier viel Lehrgeld da wir a) nicht zu erfahren waren und b) es einen Tag vorher kräftig regnete. 

Duenen am WeststrandDreimal versank ich fast bis zur Achse (Ausweichmöglichkeiten gab es nicht) im schlammigen Sand und eine ca. 6 km lange Betonplattenstrecke schüttelte und rüttelte uns mächtig durch. Sicherlich lieferten wir den vielen Urlaubsgästen die ebenfalls per Rad, mit der Kutsche oder per Pedes unterwegs waren am Abend willkommenen Gesprächsstoff in Form: "Habt Ihr den verrückten Rollstuhlfahrer mit seinem Hund und den beiden Frauen gesehen....". Wir haben uns auf jeden Fall köstlich amüsiert!
 

WeststrandRund 60 km Sandstrand gibt es alleine auf dieser Halbinsel und am Besten gefiel es uns am Weststrand (Geschmacksache). Erfreulich, dass man sich hier (vor allem am Weststrand) verstärkt der Problematik von behinderten Urlaubsgästen annimmt. An fast jedem zweiten Strandübergang findet man eine rollstuhlgeeignete Toilette und immer wieder Behindertenparkplätze. Am Strandübergang zwischen Ahrenshoop und Born ist sogar Sandstrand
ein ganzer Parkplatz für Rollstuhlfahrer eingerichtet und die Polizei achtet peinlichst darauf, dass hier nur Berechtigte parken! Diesen Parkplatz und den dazugehörigen Strandübergang erreicht man von der Ferienwohnung aus auch per Rad durch den Darß nach ca. 7 km.
 
historische Altstadt rollstuhlgerechtes MeeresmuseumUnbedingt besuchen sollte man die Hansestadt Stralsund mit der historischen Altstadt und dem Marktplatz mit Rathaus und Nikolaikirche. Absolut zu empfehlen ist auch ein Besuch des dortigen Deutschen Meeresmuseums. Das Museum befindet sich größtenteils im ehemaligen Katharinenkloster, das umfassend renoviert und dabei auch größtenteils rollstuhlgerecht ausgebaut wurde. 
Der gelungene Zusammenklang von mittelalterlicher Architektur und moderner Ausstellung ist sehr beeindruckend. Man wird umfassend informiert über das Leben im Meer und seine Nutzung und Erforschung durch den Menschen. Man erfährt spezielles zu Themen der Meereskunde, Meeresbiologie und Seefischerei, aber auch interessantes zur Flora und Fauna der Ostsee. Besonderer Anziehungspunkt ist natürlich das Meeresaquarium wo sich hinter den bis zu 60 mm dicken Aquarienscheiben die Wunderwelt des Meeres tummelt.
 
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BernsteinkrugEin Pflichtbesuch gehört auch dem Deutschen Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten (außen drei Stufen zum Eingang), wo Rollstuhlfahrer zwar nur das Erdgeschoss besichtigen können, aber trotzdem umfassende Einblicke in die Entstehung, Lagerstätten und Gewinnung des "Gold des Meeres" erhalten. 

Nach dem Museumsbesuch fuhren wir nach Rostock-Warnemünde und machten dort eine äußerst interessante Hafenrundfahrt durch den Überseehafen (Dauer ca. 1 Stunde). Wer mehr möchte kann auch noch bei einer großen Hafenrundfahrt den Stadthafen von Rostock besichtigen. Danach machten wir es uns in der Flaniermeile "Am Strom" gemütlich und verspeisten genüsslich einen Backfisch. Rollstuhlgerechte WC's findet man auch hier überall.

Das russische Segelschiff hat Kap Horn umrundet einst die schnellste Fähre der Welt die erste, in Deutschland gebaute Bohrinsel seit 25 Jahren
 
Es gibt noch viele weitere sehenswerte Ausflugsziele, aber da wir zwei Wochen mit herrlichstem Wetter "erwischten" war uns mehr nach Strand und Radtouren. Und so ließen wir vor allem Rügen links liegen. Aber das holen wir sicherlich noch nach.

Ein schöner Ausflug war auch der Besuch des Vogelparks in Marlow, der eine interessante Jagd-Flugshow mit Adler, Eulen und Falken bietet. "Abgeradelt" haben wir natürlich auch die Seebrücken von Wustrow, Prerow und Zingst. Kunstliebhaber finden in Ahrenshoop, in der Kunstscheune von Wustrow - OT Barnstorf oder in der Darßer Arche und den verschiedenen Gemeindezentren immer interessante Ausstellungen. Im umfangreichen Kulturprogramm der einzelnen Orte auf der Halbinsel ist zusätzlich für jeden Geschmack etwas dabei.

Gut speisen konnten wir überall und wurden in keinem der vielen netten Lokale enttäuscht. In der Hauptsaison empfiehlt es sich aber gerade zum Abendessen einen Tisch reservieren zu lassen.
 

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TonnenabschlagenEine besondere Veranstaltung erlebten wir an einem Sonntag in Althagen: Das Bezirks-Tonnenabschlagen. Bei diesem Wettbewerb müssen Reiter mit einem Holzknüppel auch den kleinsten Rest einer geschmückten Heringstonne im vollen Galopp abschlagen. Wer das letzte Stück abschlägt wird zum "Tonnenkönig" gekürt und genauso gefeiert wie ein Schützenkönig in Niedersachsen. Umrahmt wird das ganze natürlich mit Volksfesttrubel und Bierzelt.

Immer wieder waren wir in Born selbst unterwegs und konnten uns nicht satt sehen an den schönen alten Haustüren, die ehemals die Kapitänshäuser zierten und  lobenswert auch bei vielen Neubauten wieder ihre Nachahmer finden und so den Charme dieses alten Fischerdorfes erhalten. 
 

Haustüren in Born Wahrzeichen ehemaliger Kapitänshäuser Haustüren in Born

Beeindruckt hat uns in diesem Urlaub vor allem die Weite der schönen Landschaft, die Freundlichkeit der Leute, natürlich die Ostsee und vor allem - aber sehen Sie selbst:

beeindruckende Sonnenuntergänge immer wieder ein Erlebnis... wir kommen wieder...
Nur zu erleben am Weststrand und hier ist ein besonders schöner Flecken eben an der Steilküste bei Ahrenshoop.

Für uns hieß es am 26. August Abschied nehmen von einem Landstrich der besonderen Art und wir wissen, wir kommen wieder....

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Bitte geben Sie bei Ihren Anfragen immer meine Internetseiten an: www.Rollstuhl-Urlaub.de