Reiseteilnehmer: meine Frau Inge
unser Hund, ein Border-Collie
und ich (54 Jahre alt, Querschnitt kompl. ab TH 11 seit 30 Jahren und Oberschenkelamputation rechts seit 1984)
 
Nach gut sieben Stunden Fahrzeit inklusive Pausen hatten wir die ca. 730 km von unserem Heimatort Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz nach Thalingburen, einem Ortsteil von Nordermeldorf, am 27. Juli zurückgelegt. 

Ferienhof von HorstenDank der guten Wegbeschreibung fanden wir unser Urlaubsdomizil sofort. Einladend stach uns der Ferienhof von Familie von Horsten schon von weitem mit seinem imposanten Anblick und einer lustig im Wind flatternden Landesfahne in's Auge. 

Wir konnten unmittelbar bis vor unsere Ferienwohnung vorfahren und wurden auch gleich herzlichst von Familie von Horsten begrüßt. Der erste gemeinsame Rundgang übertraf dann auch gleich unsere Erwartungen: Hier wurden 2001 mit viel Bedacht und wohl überlegten Details zwei rollstuhlgerechte Ferienwohnungen erbaut und liebevoll eingerichtet. Der gesamte Hof stellt in sich ein hervorragendes Urlaubsquartier dar, wobei wir die Ausstattungsmerkmale der Hausseite voll und ganz bestätigen können.

Ich will Wiederholungen vermeiden, doch auf einige bemerkenswerte Details möchte ich doch noch hinweisen. Die beiden rollstuhlgerechten Ferienwohnungen "Rapsblüte und Seemöwe", zwei weitere Ferienwohnungen befinden sich in einem Nebenhaus, wurden im ehemaligen Stallgebäude erstellt und dabei wurde das bogenförmige Deckengewölbe erhalten. Freiliegende Balken vermitteln zusammen mit den schönen Landhausmöbeln eine besonders heimelige Atmosphäre. 

Der rückwärtige Teil des Stallgebäudes ca. 40 Meter (!) lang, steht als Spielscheune Groß und Klein zur Verfügung und ist mit allen nur erdenklichen Freizeitgeräten bestückt. Es stehen Fahrräder, Kettcars in allen Größen und Variationen, Roller, Tischtennisplatte, Strohlager mit Rutsche, Schaukeln, Streicheltiere usw. usw. bereit. In einem großen Gemeinschaftsraum findet man zudem noch Bücher und Gesellschaftsspiele und hier stehen auch Getränke zur Verfügung. Abgerechnet wird vertrauensvoll am Urlaubsende nach der selbst geführten Strichliste. 

Familie von Horsten bietet auch einen Brötchenservice und besonders schätzten wir die aktuelle, kostenlose Tageszeitung, die wir bereits zum Frühstück vor unserer Wohnungstür vorfanden. Auch frische Eier und Milch und selbstgemachte Marmelade bietet Frau von Horsten gegen ein geringes Entgelt an. 

Unsere Ferienwohnung SeemöweDa die meisten rollstuhlrelevanten Daten ja bereits aus der Hausseite ersichtlich sind hier noch einige zusätzliche Angaben: Küche und Wohnbereich ist mehr als großzügig gestaltet und überall ist hier ein Drehen des Rollstuhls ohne weiteres möglich. Die Türschwelle zur Terrasse wird mittels zweier kleiner Rampen überbrückt. Schwellenlos gelangt man auf die Terrasse aber auch über den Hauseingang und der Rasenfläche. Von der großen Terrasse, mit großem Sonnenschirm, Sitz- und Liegemöbeln und einem original Strandkorb, kann man weit über die Felder und Wiesen blicken.

Im Schlafzimmer mit dem Doppelbett (verschiebbar) beträgt der Freiraum neben einem Bett mind. 125 cm. Das zweite Schlafzimmer besitzt zwei Einzelbetten die ebenfalls von einer Seite problemlos erreichbar sind. Ein zusätzliches Zimmer ist mit einem Etagenbett ausgestattet und für zwei Kinder vorgesehen. Das Bad ist ebenfalls mit sehr viel Freiraum bedacht. Die WC-Höhe beträgt 47 cm, die Höhe des festinstallierten Duschsitzes (klappbar) beträgt 49 cm und die Waschbeckenhöhe 87 cm. Je nach Wohnung befindet sich rechts bzw. links am WC ein klappbarer Stützgriff. 

Alle meine Beschreibungen sind natürlich subjektiv und vielleicht nicht auf jede Behinderungsart übertragbar und deshalb gilt die Feststellung auch nur für mich: In allen Bereichen der Wohnung und des Hofbereiches kam ich sehr gut zurecht und es war für meine Frau und mich ein wunderschöner und erholsamer Urlaub, den wir und auch unser Border sehr gerne verlängert hätten. 

Da wir bei unserer Anreise schönsten Sonnenschein mit nach Schleswig-Holstein brachten und Petrus uns auch während unseres 14-tägigen Aufenthaltes wohlgesonnen war, galt unser Augenmerk vor allem der Erkundung der schönen Umgebung per Rollibike und Fahrrad. weiter Blick in die MarschlandschaftUnd dafür ist natürlich die Gegend um Meldorf besonders prädestiniert. Die weite, grüne Marschlandschaft ist praktisch "brettleben" und wer den richtigen Wind erwischt kann auch als "Amateur" locker 30 und mehr Kilometer ohne Probleme radeln.

Wohltuend waren vor allem die vielen Radwege die wir vorfanden, auch die Wege durch die Felder sind fast ausnahmslos geteert und die Ausschilderung der Fahrradtouren, verbunden mit einer guten Karte, lassen einen das gewünschte Ziel ohne Schwierigkeiten erreichen. auch am Meer entlang ist Radfahren möglich...Auch vor dem Nordseedeich, also direkt auf der Seeseite, kann man auf geteerten, leicht zur Seeseite hängenden, Wegen gut fahren. Hier sollte man jedoch nicht ohne Begleitung sein, da in bestimmten Abständen immer wieder Tore der Schafweiden zu öffnen sind.

Thalingburen, unser Urlaubsort, liegt ca. 3 km von Meldorf und ca. 7 km von der Nordseeküste entfernt. Von welcher Seite Sie auch kommen, der Meldorfer Dom grüßt schon von weitem. Früher, als die Nordsee noch bis an die Stadt reichte signalisierte er den Seeleuten die Richtung und heute weist er vor allem auch den Radfahrern willkommen den Weg.
 

Altstadtimpressionen schon von weitem grüßt der Dom die Nordermühle

Verwinkelte Gassen und Straßen mit Kopfsteinpflaster, meist aber mit gut berollbaren Gehsteigen, prägen den Innenbereich von Meldorf. Die Atmosphäre des Marktplatzes, auf dem immer freitags der Wochenmarkt stattfindet, die Ausstrahlung des Doms (über einen Seiteneingang mit dem Rollstuhl erreichbar) und die schönen, restaurierten Bürgerhäuser ergeben den Charme eines lebendigen Landstädtchens.

KutterregattaWährend unseres Aufenthaltes hatten wir die Gelegenheit in Friedrichskoog eine Krabbenkutter-Regatta zu erleben. Die Kutter wurden dazu prächtig geschmückt und präsentierten sich bei einer Ausfahrt den vielen tausend Besuchern. In Friedrichskoog befindet sich auch die einzige, autorisierte Aufnahmestelle für Heuler in Schleswig-Holstein. Hier kann man Seehunde "live" erleben. Ein naturnah angelegtes Beckensystem bietet gute Möglichkeiten, die Tiere an Land, im und unter Wasser zu beobachten. Eine lebendig gestaltete Ausstellung zum Thema Seehund und andere Meeressäuger informiert über zwei Etagen anschaulich und umfassend zu diesem Thema. Die Außenanlagen und das Erdgeschoss ist mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Über eine, relativ steile, Rampe gelangt man in den unteren Bereich, wo man durch Glasscheiben die Seehunde beim Schwimmen beobachten kann. Ein Behinderten-WC ist vorhanden.

Seehund in der AufzuchtstationMeiner Meinung nach ist ein Besuch hier viel sinnvoller als eine Ausfahrt zu den vorgelagerten "Seehundsbänken" mit einem Ausflugsschiff. In der Seehundstation kann man sich ausführlich informieren, kann viel bessere Bilder "schießen" und stört vor allem nicht diese geschützten Tiere in ihrem natürlichen Umfeld vor der Küste.

Die Schutzräume der Seehunde sind eingebunden in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und darüber kann man sich ganz toll im "Multimar Wattforum" in Tönning informieren. In Groß-Aquarien werden Fische, Krebse, Quallen und Muscheln in ihrem Element präsentiert. Die Themen Lebensraum Wattenmeer, Wildnis und Wirtschaft, Wissenschaft und Nationalpark werden anschaulich und unterhaltsam dargestellt. Filme, Computerpräsentationen, spielerisches Erleben für Kinder und vieles mehr machen einen Besuch dieser Einrichtung zu einem Erlebnis. Ein Behinderten-WC ist vorhanden. Ab Oktober 2002 ist dann hier auch das Skelett eines Pottwales zu bestaunen.

Leuchtturm von BüsumEine schöne Radtour führte uns bei bestem Wetter auch nach Büsum. Das Nordseeheilbad ist nach meiner Ansicht sehr lebendig und die "Shopping-Meile" für den stillen Beobachter sehr "unterhaltsam". Das neue "Museum am Meer" ist rollstuhlgerecht und zeigt u.a. den Alltag der Krabbenfischerei. Auch im Ort findet man Behinderten-WC's und im Strandbad Büsumer-Deichhausen sind ebenfalls rollstuhlgerechte Einrichtungen vorhanden. Wer unbedingt Nordseewellen pur erleben möchte, für den eignet sich auch nach meiner Meinung sehr gut das Strandbad in Friedrichskoog-Spitze. Hier führen ganz flache Rampen in die See und direkt vor den Rampen befinden sich auch Duschen. 

Eider-SperrwerkEine weitere Fahrradtour führte mich ca. 30 km durch die schier endlose Weite der Marschlandschaft zum Eider-Sperrwerk. Ein wahres Monument der Technik. Das Sperrwerk mit seinen 10 Schleusentoren bewies bei über 60 Sturmfluten seine Notwendigkeit das Land vor Überschwemmungen zu schützen und das ausgeklügelte Be- und Entwässerungssystem des Hinterlandes stabil zu halten

Rosenstöcke an den HäusernAuch die Städte Heide und Friedrichstadt besuchten wir. Heide besitzt den größten Marktplatz Deutschlands, auf dem während unseres Aufenthaltes sogar der Circus Krone seine Zelte aufschlug. Friedrichstadt wird auch als das "kleine Venedig des Nordens" oder auch als "Holländerstädtchen" bezeichnet. Grachten durchziehen die StadtGerade Straßen und baumbestandene Grachten durchziehen die Stadt und Häuser mit reichverzierten Treppengiebeln zieren das Stadtbild. Schöne Haustüren und die Stockrosen daneben vermitteln ein malerisches Ambiente. Leider können Rollstuhlfahrer nach Aussage der Schiffgesellschaft an den Grachtenrundfahrten aus "Sicherheitstechnischen Gründen" nicht teilnehmen. Auch die meisten Sehenswürdigkeiten sind nach Information des Touristikbüros nicht mit dem Rollstuhl "erfahrbar".

Natürlich fanden wir auch einen Traumort (der Tipp stammte von Frau von Horsten, die auch sonst - ebenfalls natürlich ihr Ehemann - immer die richtigen Tipps und Ratschläge parat hatte): Die Hallig "Helmsand", ca. 10 km vom Ferienhof entfernt. traumhafte SonnenuntergängeDie Hallig ist bereits mit dem Festland verbunden (breiter Teerweg) und wird auch als "Vogelinsel" bezeichnet, Während der Brutzeiten von April bis Juli sollte man deshalb seinen Besuch bis zum Aussichtspunkt auf dem Deich beschränken. das Watt lebtEin idyllischer Flecken der praktisch "unser" Westerhever ersetzte. Bei unseren Besuchen, oftmals am Abend, war Helmsand für uns eine "Oase" der Ruhe und Entspannung. Obgleich, wenn man genau hinhörte, auch bei Ebbe das Watt "leben" hörte. Überhaupt begeisterte uns der weite Himmel über Meer und Watt und die Meinungen sind durchaus geteilt wann der Sonnenuntergang an der Nordsee am schönsten sei - bei Flut oder Ebbe.

reger Verkehr vor der SchleuseKurz vor unserer Abreise besuchten wir auch noch Brunsbüttel und besichtigten dort die Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals. Der ca. 100 km lange Kanal wurde nach nur acht Jahren Bauzeit 1895 eröffnet und verkürzte den Weg der "großen Bötte" von der Nord- zur Ostsee und zurück gewaltig. Alle Details der Baugeschichte und des weiteren Ausbaus wird sehr gut im Ausstellungspavillon erklärt. auch die Möwen hatten viel zu tun...Auch der Film mit alten Fotos über den Bau (Filmdauer ca. 12 Min.) sollte man sich unbedingt ansehen.

Sicherlich gibt es noch viele weitere sehenswerte Ausflugsziele, aber zwei Wochen sind halt leider auch schnell vorbei und so nahmen wir Abschied von einem unserer bisher schönsten Ferienorte, von der liebenswerten Familie von Horsten (unser Border von seiner Freundin Mobbie, dem treuen Haushund), und von einer Landschaft die uns vom ersten Tag an begeisterte.

Eines haben wir gelernt und werden es auch sicherlich umsetzen: 

"Kiek mol wedder in"

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